1950 wurde die Mommsen-Gesellschaft auf Anregung des Hamburger Gräzisten Bruno Snell (1896-1986) gegründet, der auch erster Vorsitzender war. Im Zentrum der Arbeit der Mommsen-Gesellschaft stand und steht der wissenschaftliche Austausch zwischen den verschiedenen Disziplinen der klassischen Altertumswissenschaft. Es ist ihre Aufgabe, deren Anliegen gegenüber der Öffentlichkeit und der Politik zu vertreten und die Bedeutung der Altertumswissenschaften als Orientierungswissenschaft in der Gesellschaft darzustellen.

Die Mommsen-Gesellschaft bildete viele Jahre eine gemeinsame Plattform der deutschen Altertumsforscher/innen in West- und Ostdeutschland. Seit dem Mauerbau erschwerte jedoch die DDR-Regierung zunehmend die Kontakte. Nach der Wende wurde die Mommsen-Gesellschaft am 7. Februar 1990 in der DDR wiedergegründet. Die Vereinigung der beiden Gesellschaften erfolgte 1991 in Berlin. Seit dem 17. Februar 2010 ist die Mommsen-Gesellschaft ein eingetragener Verein als "Verband der deutschsprachigen Forscherinnen und Forscher auf dem Gebiete des Griechisch-Römischen Altertums".

Literatur:
E. Mensching, Die Mommsen-Gesellschaft. Zu den Anfängen – ein Ausblick, in: Latein und Griechisch in Berlin und Brandenburg 48, 2004, 62-71 und 93-99, ND in: ders., Nugae zur Philologie-Geschichte XIV, 2004, 9-26.

S. Rebenich, Altertumswissenschaften zwischen kaltem Krieg und Studentenrevolution. Zur Geschichte der Mommsen-Gesellschaft von 1950 bis 1968, Hermes 143, 2015, 257-287. Zur Online-Fassung hier.

 

Theodor Mommsen

Namensgeber der Gesellschaft ist Theodor Mommsen: In den Jahren von 1838 bis 1844 studierte er in Kiel, wo er sich spezialisierte auf die Lateinische Epigraphik und Rechtswissenschaften, in denen er auch zum Doctor Iuris promoviert wurde. Zwei Stipendien erlaubten ihm in den Jahren 1844 bis 1847 Reisen in Frankreich und Italien.

Seine akademische Laufbahn begann mit einer juristischen Lehrtätigkeit an der Universität Leipzig. 1851 wurde er aufgrund seiner politischen Ansichten und seiner Aktivitäten während der Jahre 1848/49 entlassen. Es folgte ein Aufenthalt an der Universität Zürich, wo er Römisches Recht lehrte. Daran schlossen sich Lehraufträge in Breslau und Berlin (1858) an. Seit 1861 unterrichtete er Alte Geschichte bis zu seinem Tode im Jahre 1903.

Seine bedeutendsten Arbeiten sind die Römische Geschichte (1854-1856, 1885) und das Römische Staatsrecht (1871-1887). Daneben sind ca. 1500 weitere Schriften von Theodor Mommsen bekannt, die sich u.a. mit der römischen Chronologie, den Münzen, dem Strafrecht und den antiken süditalischen Dialekten beschäftigen. 1862 begründete er das Corpus Inscriptionum Latinarum (CIL).

1902 bekam er für seine Römische Geschichte den Nobelpreis für Literatur.