Babrios' Mythiamboi. Ein Interpretationskommentar. Mit Untersuchungen zu Aufbau, Struktur und poetischem Programm

Dissertation von Lukas Spielhofer, gemeldet am 04.04.2018
Karl-Franzens-Universität Graz, Institut für Klassische Philologie

Der lange Zeit vernachlässigte Dichter Babrios (wohl aus dem 2. Jhd. n. Chr.) hinterlässt eine eigenwillige Sammlung griechischer Fabeln in Gedichtform, die unter dem Titel Mythiamboi überliefert sind. Diese sprudeln vor Erzählfreude, scheinen aber zugleich die traditionelle Fabelwelt zu hinterfragen – etwa wenn in die heile Goldene Zeit der Fabeln Gewalt einbricht –, sodass die Aussage der Gedichte vor der Erzählung in den Hintergrund rückt. Viele Fabeln regen zudem durch sprachliche Bilder und intertextuelle Bezüge zu anderen literarischen Werken der Antike zu poetologischen Deutungen an.Trotz ihres literarischen Gehalts sind die Mythiamboi bisher allerdings kaum unter literaturwissenschaftlichen Gesichtspunkten erforscht, was die Beschäftigung mit Autor und Werk erschwert. Anknüpfend an jüngste Forschungsentwicklungen auf dem Gebiet der lateinischen Fabel stellt die vorliegende Arbeit den Versuch dar, die Sammlung des Babrios aufzubereiten und so eine Grundlage für die Beschäftigung mit der griechischen kaiserzeitlichen Versfabel zu schaffen. Dafür wird nach einer umfassenden Einführung in die Forschungsproblematik rund um Autor und Werk ein Interpretationskommentar eines Teils der Mythiamboi vorgelegt, der die beiden Prologe sowie die ersten 17 Gedichte der Sammlung umfasst. Auf Basis dieses Kommentars werden schließlich zentrale Fragestellungen der Babrios-Forschung einer kritischen Neubewertung unterzogen: So wird erstens der Frage nachgegangen, wie das Werk aufgebaut ist und ob die in den Kodizes überlieferte alphabetische Reihung die originale Struktur eines antiken Gedichtbuchs widerspiegelt oder ob es sich dabei um eine spätere Anordnung handelt. Zweitens widmet sich die Untersuchung einer Beschreibung der gedichtimmanenten Poetik, die durch eine Analyse der Motive, Topoi, Figuren und inter- wie auch intratextuellen Bezüge erschlossen werden soll, sowie der Diskussion weiterer literarischer Strategien, die die Fabelsammlung prägen.