Verführt vom Pathos. Die sizilische Expedition und der stille Fall Athens
unter dem Schatten von Selbsttäuschung und emotionaler Dynamiken.
Diese Dissertation untersucht die Rolle von Emotionen in der politischen Entscheidungsfindung und im öffentlichen Leben Athens im 5. Jh. v. Chr., insbesondere im Kontext der Sizilischen Expedition (413 v. Chr.). Anders als das gängige Bild von der griechischen Antike als Welt der Vernunft zeigt die Arbeit, dass Emotionen wie Angst, Zorn, Ehrgeiz oder Hoffnung das gesellschaftliche und politische Handeln wesentlich prägten. Emotionen gelten hier als kulturell konstruiert und in sozialen Normen und Vorstellungen eingebettet.
Im Zentrum steht die Frage, wie Emotionen und persönliche Charakterzüge von Akteuren – insbesondere Alkibiades und Nikias – politische Entwicklungen beeinflussten. Alkibiades erscheint als Beispiel für politische Hybris und Narzissmus, während Nikias als vorsichtiger, religiös geprägter Gegenspieler dargestellt wird. Grundlage der Analyse sind antike Quellen, vor allem Thukydides, Plutarch, Diodor, aber auch literarische Werke wie Aristophanes’ Frösche. Die Darstellung der Ereignisse wird durch Diskursanalyse und Quellenkritik ausgewertet. Moderne psychologische Konzepte wie Narzissmus werden zur Interpretation herangezogen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Desinformation und Manipulation – vergleichbar mit heutigen Fake News – sowie deren Wirkung auf kollektive Emotionen und politische Entscheidungen. Die Arbeit beleuchtet, wie gezielte Fehlinformationen, etwa vor oder während der Sizilischen Expedition, Ängste schürten und Entscheidungen beeinflussten.
Der Ostrakismos und das Exil werden als emotionale und politische Instrumente betrachtet: Reaktionen auf Unsicherheit, Angst oder Schuldzuweisung, die oft impulsiv erfolgten. Die Arbeit fragt, ob diese Mechanismen der emotionalen Entlastung dienten oder strategisch eingesetzt wurden.
Ziel ist es, zu zeigen, dass Emotionen nicht nur private, sondern auch zentrale politische Kräfte waren, die über Aufstieg und Fall Athens mitentschieden. Die Untersuchung liefert somit neue Perspektiven auf das Wechselspiel von Gefühlen, Macht und gesellschaftlicher Entwicklung in der athenischen Demokratie.
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